Die regionale Web-Suchmaschine reg.io (zur Zeit im Demo-Stadium und in der Pilotphase für die Region Ulm) soll um die Möglichkeit erweitert werden, nicht nur nach der räumlichen Nähe und Produktgruppen u.ä., sondern auch nach ethischen Zielen zu filtern bzw. die Präsentation der Suchergebnisse durch diese mitzubestimmen. Um dem Benutzer möglichst gut zu ermöglichen, Unternehmen bzw. Produkte zu finden, die seinen spezifischen ethischen Vorstellungen entsprechen, müßten Erzeuger bzw. ihre Erzeugnisse und Dienstleister bzw. ihre Dienstleistungen in Bezug auf ethische Ziele (Lokale Umweltbilanz, Klimabilanz, Fairness, Regionalität etc.) bewertet werden.

Dies für den Maßstab einer Web-Suche operationalisierbar zu machen, könnte auf drei Säulen ruhen: erstens können bestehende Siegel und Zertifikate (weitgehend durch Auswertung vorhandener Studien?) mit Bezug auf jedes einzelne dieser Ziele analysiert werden. Zweitens könnten Selbstauskünfte der Erzeuger und drittens Eingaben der Nutzer der Suchmaschine („crowdsourcing“) einbezogen werden, letztere nicht nur zu den Unternehmen und Produkten, sondern auch zu Siegeln und Zertifikaten.

Damit der Nutzer durch eine möglichst einfache Operation bei seiner Suchanfrage, z.B. eine vorgegebene Auswahl ethischer Ziele in eine Rangfolge zu bringen, alle zur Verfügung stehenden Informationen auswerten kann, bedarf es eines Modells, das folgendes können sollte:

  • Die qualitativen „Expertenmeinungen“, Selbstauskünfte der Unternehmen sowie Angaben von Nutzern über Siegel, Zertifikate, einzelne Erzeuger und Produkte in eine zahlenmäßige Bewertung der Erzeuger und Produkte mit Bezug auf die definierten Ziele überführen. Standardisierte Erfassung durch multiple choice / 5-Sterne-Bewertungen / Zahleneingabe z.B. für CO2-Fußabdruck, Prozent regionaler Inputs etc., Aggreation der Ergebnisse.
  • Anhand der durch die Nutzereingaben bestimmten Zielrangordnung ein zu den Präferenzen des Nutzers passendes Maß der ethischen Präferenzerfüllung ermitteln.

Mögliche Themen für Abschlussarbeiten (Bachelor, Master, Promotion) zum Thema „Ethische Präferenzen“

Die angesprochenen Themen sind sicherlich zu breit, um sinnvoll in einer einzelnen Bachelorarbeit, Masterarbeit oder auch Dissertation bearbeitet zu werden. Folgende Unterteilung in Einzelthemen mit enger Zusammenarbeit der Kandidaten wäre denkbar:

  1. Überblick über die „Siegellandschaft“ und Einordnung in einen Bewertungsrahmen ethischer Ziele – eine Metastudie, d.h. Auswertung bestehender Literatur; eigene Forschung findet auf argumentativem Niveau statt. Es geht um qualitative Bewertung, es muß folglich nicht gerechnet und modelliert werden. Wegen des Umfangs eher Masterarbeit oder Dissertation?
  2. Nutzung der „Crowd“ für Inhalte einer Qualitäts-Suchmaschine für regionale Produkte – wie kann man die Intelligenz (hoffentlich…) und Hilfsbereitschaft des Schwarms in verläßliche Informationen über regionale Produkte umwandeln, so wie es z.B. bei wikipedia.org gelingt? Bewertungsprozesse, Anreiz-Strukturen, crowdsourcing der Qualitätskontrolle, ethische Standards im Umgang sowohl mit hilfsbereiten Nutzern als auch mit den Unternehmen und Siegeln, über die be/gerichtet wird. Das Thema hat einen starken medienwissenschaftlichen Bezug und könnte sich auch für eine Bachelor-Arbeit eignen.
  3. Einzelziele im ethischen Konsum – Identifikation und Relation zueinandern. Das Thema hat einen logisch-argumentativen Aspekt und einen empirischen (Angewandte Ethik und ökonomische Theorie; Philosophie-Kenntnisse und Lust, sich mit Carbon Footprints, Landgrabbing etc. auseinanderzusetzen, wenn auch nur überblickshaft, sind erforderlich. Umfang und Tiefgang könnten von Bachelorarbeit bis Dissertation variieren). Operationalisierbar machen in Form eines strukturierten Zielkatalogs für die Debatte und für ein Modell wie dieses:
  4. Formulierung eines suchmaschinengeeigneten mathematischen Modells der multikriteriellen Optimierung / Optimierung bei mehrfacher Zielsetzung für ethische Präferenzen – eher ein Dissertationsprojekt. Dieses Thema ist formal anspruchsvoll und hat einen starken Informatik-Bezug.

Diese Auflistung ist provisorisch; andere Unterteilungen und Schwerpunktsetzungen sind möglich.

Interesse? Mail an Fritz Feger!

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