Dirtje Derksen hat Sustainable Agriculture and Integrated Watershed Management an der Universität Hohenheim und der Chiang Mai University (Thailand) studiert. Ihr von Prof. Dr. Harald Grethe (Hohenheim), Dr. Manoj Potapohn (Chiang Mai) und Dr. Fritz Feger (reg.io) betreutes Masterprojekt hat sie sehr erfolgreich zum Abschluß gebracht und faßt im Folgenden ihre Arbeit zusammen.

Wir alle wissen, dass bio im Trend liegt. Auch regionale Produkte sind immer wieder in aller Munde. Wenn man es als Käufer also „richtig machen“ möchte, dann erscheinen beide Optionen als Möglichkeit, Ethik und Einkauf zu vereinbaren.

Doch sind die ethischen Ziele, die wir an Bioprodukte knüpfen, tatsächlich vergleichbar mit denen, die beim regionalen Einkauf eine Rolle für uns spielen? Welche Motive stecken eigentlich hinter der Entscheidung für das Produkt aus der Region oder dem Einkauf im Bio-Supermarkt? Sind diese Ziele ähnlich oder gibt es Unterschiede? Und nehmen Konsumenten möglicherweise sogar Beziehungen zwischen den Einzelzielen wahr?

Die Beantwortung dieser Fragen steht in meiner Forschungsarbeit im Vordergrund. Gleichzeitig bildet sie die Grundlage für ein theoretisches Modell, mit dem Konsumenten die Möglichkeit eröffnet werden soll, die Einkaufsentscheidung zwischen regional oder bio zu vereinfachen. In meiner Arbeit erarbeite ich folglich die Basis für ein praxisorientiertes Modell, mit dem ethisch motivierte Konsumenten herausfinden können, ob regional oder bio besser zu ihren ethischen Ansprüchen und Zielen passt. Es wird sozusagen Grundlagenforschung für einen „Wahl-O-Mat“ des ethischen Konsums betrieben.

Tatsächlich finden die Konzepte bio und regional in der Wissenschaft große Beachtung – jedoch werden sie meist getrennt voneinander behandelt. Bei meinem Ansatz werden jedoch beide Einkaufsoptionen zusammengebracht und verglichen. Dabei zeigt sich schnell, dass die ethischen Ziele, die mit bio und regional verknüpft werden nahezu identisch sind!

So finden es beide Konsumentengruppen wichtig, dass Tiere artgerecht gehalten werden und die Umwelt nicht gefährdet wird. Es ist für alle von Bedeutung, dass faire Arbeitsbedingungen bestehen, die lokale Wirtschaft unterstützt und bestimmte politische Werte geachtet werden. Mehr noch: Für beide Konsumentengruppen sind neben den ethischen Motiven auch insbesondere soziale Aspekte und individuelle Lebenssituationen von Bedeutung, wenn eine Entscheidung für oder gegen bio oder regional gefällt wird. Beziehungen zwischen Einzelzielen werden hingegen kaum wahrgenommen.

Es zeigt sich also, dass der ethisch motivierte Käufer eine ganze Reihe von Motiven gemein hat, unabhängig davon, ob er vorzugsweise bio oder regional einkauft. Es geht dem Konsumenten in erster Linie anscheinend wirklich darum, etwas „Gutes“ zu tun und „richtig“ einzukaufen. Demnach ist es plausibel, regional und bio aus dem Blickwinkel des ethischen Konsums gemeinsam zu betrachten und als Auswahloptionen für jeden ethisch motivierten Einkäufer zu verstehen.

Eine (Online-) Anwendung, die uns beim Einkauf unterstützt und bio und regional zusammenbringt, kann folglich sinnvoll sein, denn sie bietet die Möglichkeit, mangelndes Wissen auf der Seite der Konsumenten auszugleichen und ausschließlich anhand individueller ethischer Ziele Einkaufsempfehlungen zu geben.

Für die Entwicklung eines operationalisierbaren Modells bedarf natürlich noch erweiterter Forschung. So muss beispielsweise neben der tiefergehenden Betrachtung der Konsumentenseite auch ein genauer Blick auf die Produzenten geworfen werden. Fragen nach der Messbarkeit der „ethischen Performance“ von Landwirten könnten dabei zum Beispiel von Wichtigkeit sein. Ich bin gespannt, ob sich das Modell in Zukunft in die Praxis umsetzen lässt und hoffe, dass es für Konsumenten Entscheidungshilfen geben wird, die ihnen den Weg durch den Dschungel der Siegel, Marken und Produktionsweisen erleichtert.

Dirtje Derksen

Tagged with →  
Share →
WordPress SEO