Im Bil­dungs­haus Neckar­elz fand ges­tern ein Semi­nar für Prak­ti­ker zum The­men­kom­plex „Betriebs­ma­nage­ment und Öffentlichkeitsarbeit“ statt — ich war als letz­ter dran, und zwar inner­halb des Blocks „Moder­ne Tech­nik“. Nach­dem ich mir hoch­in­ter­es­san­te Vor­trä­ge von Timm Nel­ke (Mar­ke­ting Mana­ger John Deere Deutsch­land) zum The­ma „Inno­va­tio­nen in der Pipe­line“ und von Dani­el Kel­ler (ZG Raiff­ei­sen) über den Ein­satz von Droh­nen beim Aus­set­zen von Nütz­lin­gen in Mais (Mais­züns­ler-Bekämp­fung) anhö­ren durf­te, gab es von mir einen Über­blick über den Ein­satz von mobi­len Apps in Pflan­zen­bau und Tier­hal­tung.

Science Fiction

Alle von John Deere zu erwar­ten­den Inno­va­tio­nen, die vor­ge­stellt wur­den, sind sagen wir mal „kapi­tal­in­ten­siv“ und rich­ten sich vor allem an grö­ße­re Betrie­be, bei denen das The­ma „Fah­rer­ent­las­tung“ eine Rol­le in der Effi­zi­enz­stei­ge­rung spielt und die sich auch um die klei­nen Kos­ten­schrau­ben küm­mern kön­nen. Dies gilt auch für vie­le Bio­be­trie­be, und auch hand­werk­lich arbei­ten­de Betrie­be und Direkt­ver­mark­ter, die bei reg.io ja im Fokus ste­hen, kön­nen von moder­ner Tech­nik pro­fi­tie­ren. Weni­ger Res­sour­cen­ver­schwen­dung und ange­neh­me­re Arbeits­be­din­gun­gen sind etwa zwei Aspek­te, die nicht nur für agrar­in­dus­tri­el­le Dimen­sio­nen Rele­vanz haben.

Eben­so trifft der Mais­züns­ler nicht nur die Gro­ßen. Jeder Betrieb, der Mais anbaut, ist betrof­fen. Die bes­te Bekämp­fungs­me­tho­de ist das tie­fe Unter­pflü­gen von Mais­stop­peln — dies ist aber aus ande­ren Grün­den nicht immer gewollt, Stich­wort pflug­lo­se Boden­be­ar­bei­tung, Ero­si­ons­schutz etc. Daher kommt dem Aus­set­zen von Tri­cho­gram­ma-Schlupf­wes­pen gera­de für nach­hal­tig wirt­schaf­ten­de Betrie­be eine beson­de­re Rol­le zu. Dies geht zwar auch ohne HiTech, aber wer schon mal durch einen meh­re­re Meter hohen Mais­be­stand gestapft ist mit den schar­fen Blät­tern, der weiß, dass eine Droh­ne da schon hilf­reich ist.

Apps in Pflanzenbau und Tierhaltung

In mei­nem Bei­trag habe ich vier Aspek­te her­aus­ge­stellt, unter denen der Ein­satz mobi­ler Apps sinn­voll ist, und zwar auch schon für sehr klei­ne Betrie­be: Infor­ma­tio­nen mobil abru­fen, Daten mobil erfas­sen sowie Kom­mu­ni­zie­ren und Steue­rung, Kon­trol­le, Opti­mie­rung und Auto­ma­ti­sie­rung von Pro­duk­ti­ons­pro­zes­sen. Die Spann­brei­te der Apps geht von klei­nen Hel­fer­lein z.B. beim Errech­nen der rich­ti­gen Aus­sa­at­men­ge über aus­ge­wach­se­ne Acker­schlag­kar­tei­en bis hin zu Steue­run­gen für Maschi­nen und Anla­gen.

Die Zukunft der Digi­ta­li­sie­rung in der Land­wirt­schaft liegt zum einen in Sys­te­men, die unter Schlag­wor­ten wie Far­ming 4.0 vom Lie­fe­ran­ten über den land­wirt­schaft­li­chen Betrieb bis zu Ver­ar­bei­tung und Han­del den Daten­fluß inte­grie­ren und so z.B. die Rück­ver­folg­bar­keit ermög­li­chen. Zum ande­ren geht es in Rich­tung „Farm­ma­nage­ment­sys­tem“, d.h. die Soft­ware soll nicht nur einen Aspekt abde­cken wie etwa die Schlag­kar­tei, mit der die acker­bau­li­chen Maß­nah­men ver­wal­tet wer­den. Agrar­soft­ware soll Berei­che wie Schlag­kar­tei, Lager­hal­tung, Buch­füh­rung und die Far­ming 4.0-Technologien mit Sen­so­ren und Steue­run­gen ver­bin­den.

Hi Tech und Slow Food?

Aus mei­ner Sicht, um dies hier mal klar zu sagen, wider­spricht der Ein­satz moder­ner Tech­nik weder der Idee der Nach­hal­tig­keit noch auch der Idee einer hand­werk­li­chen Pro­duk­ti­on. Nie­mand in Euro­pa drischt heu­te noch mit der Hand, aus Kos­ten­grün­den, wegen der har­ten kör­per­li­chen Arbeit und wegen der extre­men Ver­lus­te. Ein klei­ner, alter Mäh­dre­scher ohne Kabi­ne ist wegen sei­nes pro Hekt­ar erheb­lich höhe­ren Res­sour­cen­ver­brauchs, der Belas­tung des Fah­rers und den immer noch sehr hohen Ern­te­ver­lus­ten schlech­ter als ein neu­er, gro­ßer mit kli­ma­ti­sier­ter Kabi­ne und elek­tro­ni­scher Ver­lust­kon­trol­le. Das Korn in höchst­mög­li­cher Qua­li­tät vom Acker zu holen, das ist ein­fach gute fach­li­che Pra­xis, sowohl für die Indus­trie als auch für den klei­nen Fami­li­en­be­trieb, der das selbst­er­zeug­te Getrei­de dann auf dem eige­nen Hof ver­mahlt und dar­aus Sauer­teig­bro­te mit lan­ger, indi­rek­ter Teig­füh­rung her­stellt.

Eben­so ist die Digi­ta­li­sie­rung etwas, wovon die Nach­hal­tig­keit eben­so pro­fi­tie­ren kann wie die Pro­zess- und damit auch Pro­dukt­qua­li­tät in der hand­werk­li­chen Pro­duk­ti­on. Sie kann mir hel­fen, mit mei­nen Maß­nah­men auf dem Acker und im Stall, mei­nen Vor­rä­te und mei­ner Buch­hal­tung best­mög­lich auf Zack zu sein.

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